Plastische und Räumliche Darstellung für Architekten

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Unterwelt

Seminar: Peter Behrbohm

 

 «Berlin, Alexanderplatz». Stets geht es hier um die Zukunft, aus nichts anderem besteht der Platz. Allein im letzten Jahrhundert hatten drei Architekturwettbewerbe das Ziel, ihn abzutragen und von Grund auf neu zu errichten. Der erste (1928) forderte einen «Weltstadtplatz». Dem zweiten (1964) gelang es, der sozialistischen Hauptstadt eine Form zu geben und dem dritten (1993) ging es vor allem um das Verschwinden seines Vorgängers. Dieser nun ist es, der gerade realisiert werden soll. Demnächst wird ein Hochhaus errichtet am Platz, das erste von 10. Das Grundstück scheint leer, doch ist es bebaut. So hoch wie das gründerzeitliche Berlin, nur eben nach unten.

Seit 1928 liegt leicht versetzt unter dem Tower in spe der riesige Fundamentblock eines nie vollendeten Hochhauses von Peter Behrens. U-bahnschächte führen hindurch, ein mehrstöckiger Bunker, Fußgänger- und Autotunnel wurden später darübergebaut. Einige der Schächte sind gefüllt mit Verkehr, der Rest liegt seit Jahren ungenutzt, an allen Enden zugemauert im Sand. Während die Bebauung immer wieder ausgetauscht wurde, ist mit jedem Tabula Rasa im Untergrund nur hinzugefügt, jedoch kaum etwas entfernt worden.

 

Der Entwurf aktiviert die arbeitslosen Schächte und verbindet sie zu einer Institution, deren Aufgabe fortan die Sicherung der Zukünfte ist. Hier werden sie bewahrt, die rosigen Ausblicke und idealistischen Visionen, in der «Bauvorleistung Alexanderplatz» einem Schaulager der Möglichkeiten. Wird ein Entwurf realisiert, wird er verbrannt und aus dem Archiv getilgt. Über der Erde zeigt sich die Institution durch eine Reihe metallischer Türme, die wie Pilze auf dem konfliktreichen Untergrund stehen und ihn benutzbar machen. Statt den Alex erneut mit einer Gesamtlösung zu retten, suchen sie im Gegenteil seine Qualität - das Wesen des Platzes ist seine Unlösbarkeit.

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