Plastische und Räumliche Darstellung für Architekten

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Bernd Miosge und Hans-Martin Schlesier

Raststätte am ZOB

 

2014

Man fragt sich, was der denn eigentlich hier macht. Und sie dort, irgendetwas an ihr ist merkwürdig, sie hat diesen Hut, der eher zu einem Mann passen würde. Und der dort hinten hat eine so unförmige Tasche dabei, die könnte auch seine Matratze sein oder ist es ein Instrument? Man kommt dort hin, macht, was man erledigen will oder beobachtet nur. Manche stellen sich dar, schauspielern, lungern herum. Manch einer kommt immer wieder, bleibt hängen, kann nicht anders. Andere kommen eher zufällig vorbei, kommen nie wieder. Viele finden den Ort merkwürdig, sie kommen nur, um einzukaufen, wundern sich über die Gäste des Diners oder des Motels. Doch man ist auch neugierig und geht dann vielleicht doch einmal herüber.

 

 

Wenn man sich zwischen ZOB, Messegelände, ICC und Autobahn aufhält, bewegt man sich in einem Transitraum losgelöst von der eigentlichen Stadt Berlin. Egal woher man kommt, sei es Berlin, Bulgarien oder Bad Toelz, alle haben ein ähnliches Verhältnis zu diesem Ort. Es ist ein Ort an dem man nur eine absehbare Zeit verbringt, um auf einen Bus zu warten, die Touristikmesse zu besuchen oder beim Kongress der Nacktfußballer teilzunehmen. Der Aufenthaltsgrund jedes Einzelnen ist sehr unterschiedlich, die Unverbindlichkeit ihres Aufenthaltes verbindet sie: Sie sind meist allein unterwegs und befinden sich im Modus des Wartens oder des “Nichts-Tun-Müssens”. Manche suchen Kontakt zu anderen, andere wollen allein sein. Es findet ein Zusammentreffen heterogenster Gruppen, Interessen und Zielsetzungen statt. Dieser Verkehr von Menschen, Waren und Informationen bildet einen virulenten Pool an Nachbarschaften, Kreuzungen und Überschneidungen. Wir schätzen die Vielfältigkeit solcher Orte, wie sie oftmals nur noch in Bahnhofsgegenden von Großstädten zu finden ist. Kleiner, privater Einzelhandel, Kneipen und weniger eindeutiges Gewerbe. Am Berliner Hauptbahnhof ist eine derartige Vielfältigkeit kaum vorstellbar. Die Städtebauliche Planung läßt kaum Freiräume, Ziel ist größtmögliche Wirtschaftlichkeit durch Büro- und Hotelbauten. Mit der Einstelllung des Fernverkehrs vom Bahnhof Zoologischer Garten und der nachfolgenden “Aufwertung” der City West kann man hier kaum noch von einer “Bahnhofsgegend” sprechen. Vielmehr steht Shopping im Vordergrund, wer nicht zum Geldausgeben da ist, ist unerwünscht.

 

 

Betreut durch Prof. Alexandra Ranner, Prof. Gabriele Schultheiß und Prof. Norbert Palz

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